In letzter Zeit geht mir Vieles durch den Kopf. Und da gibt es auch diesen großen Punkt: Freundschaft. Für mich ist Freundschaft unbeschreiblich wichtig. Meine Freunde gehören zu meiner Familie. Sie sitzen in meinem Kopf und in meinem Herzen und haben sich dort verankert. Umso schmerzvoller ist es, wenn sie dann aus meinem Herzen gerissen werden. Es ist unbeschreiblich grausam und obwohl es heilt, tut es das sehr, sehr langsam. Es ist unfair und ich kann und werde es nie verstehen können. Mein Verstand kann es nicht fassen, dass ich geliebte Menschen auf dieser Welt nicht mehr wiedersehen werde. Manchmal reißen mir alltägliche Dinge den Boden unter den Füßen weg, weil ich sie mit ihnen verbinde. Und auf eine (vielleicht sadistische) Art und Weise macht es mich auch glücklich und froh, denn es zeigt mir: Ihr werdet nicht vergessen. Ihr habt noch immer euren Platz bei mir, denn ich erinnere mich stets an euer Gesicht, an euer Lachen, an die schöne, gemeinsame Zeit.
Nun gibt es aber auch die große Enttäuschung. Wenn ich alles auf die Waagschale lege für eine Person, die mir unglaublich wichtig erscheint – egal ob ich diese Person schon sehr lange kenne, oder erst seit Kurzem – und diese eine Person nicht den Gegenwert auf die andere Schale legt, obwohl es zu Anfang den Anschein hat. Dann nimmt sie nur, sie benutzt mich. Sie nutzt mein (naives) Urvertrauen in die Menschen aus. Mein Vertrauen, das ich auf sie setze. Dann wird aus dem Geben und Nehmen, das es anfänglich ist nur noch Ausnutzung und genau das erschüttert mich immer wieder, obwohl ich es doch eigentlich mittlerweile besser wissen müsste.
Man darf in einer Freundschaft natürlich auch mal egoistisch sein. Man darf verlangen, im Rampenlicht zu stehen. Man muss aber auch die Kunst besitzen, wieder von der Bühne steigen zu können, sich zu verbeugen und dem Freund den Weg nach oben zu zeigen. Es bedarf auch der Kunst, sich Kritik anhören zu können – mit der Erlaubnis, sich erst einmal darüber zu empören – zu reflektieren, anzunehmen und zu versuchen, es besser zu machen. Das Wichtigste ist dabei, dem Freund die Kritik zuzugestehen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Auch wenn man sich zu Unrecht angegriffen fühlt. Denn eigentlich sollte man wissen, dass der Freund einem nichts Böses will, denn selbst kritisiert man ja schließlich auch und das nicht, weil man perfide Hintergedanken hat, sondern einfach nur, weil man sich Gedanken macht und nicht möchte, dass aus einer vielleicht winzig kleinen Fliege ein riesiger großer Elefant wird. Man möchte helfen, dass der Freund nicht an anderer Stelle aneckt und es ihm dann schlecht geht. Genau das verlangt man im Gegenzug auch von ihm. Nur mit Hilfe solcher Menschen hört man auf, auf der Stelle zu treten, entwickelt sich weiter und wächst.
Ich werde dennoch nicht aufgeben und immer wieder alles in die Waagschale legen. Ich werde ziemlich sicher meistens enttäuscht werden und trotzdem werde ich mich wieder aufrappeln und es wieder tun. Denn in ein paar wenigen, seltenen Fällen, da lohnt sich der Mut und die Wagnis. Und am Ende steht man dann da und wird an die Hand genommen und sie wird nie wieder losgelassen.